Neuerungen im Bereich der Zahlungsmittel gab es im Laufe der Geschichte unzählige. Auch in der Gegenwart gibt es wieder Diskussionen bezüglich des Geldes, oder besser des Bargeldes, welches manche Politiker und auch Banken gerne abschaffen würden. Änderungen im Geldverkehr hatten immer eine Kapitalaufstockung im Hintergrund, was bekanntlich auf eine Inflation hinausläuft. Das Geldbeschaffungsideen des Staates in ihrer Umsetzung manchmal nicht das gewünschte Resultat liefern, zeigt das Beispiel der Papiergeldeinführung im 18. Jahrhundert.

Banco Zettel

1762 wurden auf Vorschlag des Grafen Sinzendorf die ersten Banknoten, sogenannte Banco-Zettel, der Wiener Stadtbank ausgegeben. Die Gründe dafür war die Finanzierung von Kriegskosten, denn der siebenjährige Krieg gegen Preußen hatte Unsummen verschlungen, und die Stärkung des Geldumlaufs.

Die Banknoten wurden in Nennwerten von fünf, zehn, zwanzig, fünfzig und hundert Gulden ausgegeben. Zu Beginn der Ausgabe der Banco-Zettel war das Umlaufgebiet nur auf Wien und Umgebung beschränkt, dehnte sich jedoch im Laufe der Jahre auf weitere Teile der Habsburgermonarchie aus. Der Gesamtumlauf des Papiergeldes lag 1797 noch bei 74 Millionen Gulden, steigerte sich jedoch gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf 200 Millionen Gulden. Allerdings hatten die Scheine bereits an Wert verloren, und die Bevölkerung verlangte mehr und mehr den Umtausch in Silber.

Papiergeld in Tirol

1796 erreichten die Banknoten Tirol. Am 1. September 1796 wurde ein nur für Tirol geltendes Patent erlassen, demzufolge die in Umlauf gebrachten Banco-Zettel im privaten Bereich anstelle des Münzgeldes eingesetzt werden konnten.

Doch nicht nur dieses Patent, sondern auch eine Besonderheit im Bereich der Begleichung der Abgabenschuld gab es in Tirol. So durfte in Tirol im öffentlichen Bereich nur die Hälfte der Abgabenschuld mit Banco-Zetteln beglichen werden, der Rest war mit Münzgeld zu bezahlen. Waren nicht genügend Banco-Zettel vorhanden, um die Hälfte der Abgabenschuld zu tilgen, musste der gesamte Betrag der Schuld in Münzgeld entrichtet werden. Weiters wurde angeführt, dass der Banco-Zettel gegenüber den in Österreich zirkulierenden Banco-Zetteln einen um fünf Prozent höheren Wert haben sollte. Dies deshalb, weil auch schon das Münzgeld in Tirol einen höheren Silbergehalt und deshalb einen um fünf Prozent höheren Wert hatte.

Die Bayern und das österreichische Papiergeld

Mit der Integration Tirols in das Königreich Bayern am 22. Jänner 1806 gab es eine Währungsreform. Die Kriegskosten der napoleonischen Kriege, die seit 1792 tobten, führten zu einer hohen Inflation. Der österreichische Gulden in Form von Banco-Zetteln hatte in etwa die Hälfte seines Wertes verloren. Bayern wollte jedoch vorrangig die Wiener-Banco-Zettel, sprichwörtlich „die österreichische Papierflut“, beseitigen. Damit das gelingen konnte, sollten die Banco-Zettel in ihrem Wert herabgesetzt werden, de facto um fast fünfzig Prozent. Diese Verordnung, die am 16. Juli 1806 erlassen wurde und das Ziel hatte, mit 1. Oktober 1807 ausländisches Geld außer Kurs zu setzen, zeigte Wirkung. Erwähnenswert ist auch noch, dass 1806 in den Bürgermeisteramtsrechnungen am rechten Rand für den Betrag, der eingenommen wurde, zwei Spalten eingezeichnet waren, eine für das Papiergeld, die andere für die Conventionsmünze.

Schon Mitte 1806 war in Tirol zwar der größte Teil der Banco-Zettel aus dem Verkehr verschwunden, doch damit entbrannte 1807 ein Rechtsstreit über die Konvertierbarkeit der Banco–Zettel in Tirol, die sich zum Problem entwickelt hatten. Das Urteil, das gefällt wurde, ergab, dass trotz des offensichtlichen Wertverlustes des Papiergeldes die Verpflichtung bestehe, die Banknoten zu ihrem Nennwert anzunehmen. Dem wurde auch Folge geleistet. Im Gegenzug wurden aber die Preise drastisch erhöht. Es kam zu einer massiven Inflation. Die Maßnahme hatte Erfolg, denn schon nach einem Jahr war der Banco-Zettel verschwunden.

Nach der Währungsreform sanken aufgrund der Abwertung des Papiergeldes die Preise der Lebensmittel wieder und passten sich an den realen Wert des Geldes an. Das Missverhältnis zwischen Nominalwert und Kaufkraft wurde also beendet. Nach der Abwertung der Banco-Zettel wurde von der bayerischen Regierung zu wenig Geld in Tirol eingeführt. Damit ist gemeint, dass die bayerische Regierung zu wenige Münzen in das Land brachte und somit nur langsam die an Wert verlorenen Banco-Zettel umgetauscht werden konnten. Doch nicht nur das Geldwesen, auch die Tatsache, dass Österreich die Grenzen für bayerische, in dieser Zeit auch für tirolische Waren, geschlossen hatte, trug zu der bestehenden Krise bei.

Sekundärliteratur

Karg, Birgit: Geld und Preise in Tirol im 18. Jahrhundert (2012).

Kraft, Johanna: Die Finanzreform des Grafen Wallis (1927).

Pribram, Alfred Francis: Materialien zur Geschichte der Preise und Löhne in Österreich (1938).

Span, Michael: Ein Bürger unter Bauern? Michael Pfurtscheller und das Stubaital 1750–1850 (2017).

Franz I., Sammlung der Gesetze. (1797). 

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